Bummelzug Wildschönau

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Die Sage der Wildschönau

Die Sage der Wildschönau

Einst lag das Hochtal friedlich da und alle Menschen lebten glücklich. Ein stiller Bergsee bedeckte fast zur Gänze die heute besiedelte Landschaft. Der ruhige See glich einem unergründlichen Geheimnis, und zu allen heiligen Zeiten hörte man eigenartige Gesänge und Nebelschwaden huschten über das tiefblaue Wasser.

Der seichte Abfluss auf der Westseite, direkt an den Ruinen der Kummersburg am damaligen Taleingang hoch über Kundl, war von Luderstauden überwuchert. Unweit taleinwärts erstreckte sich eine wunderschöne Ebene und Aulandschaft über das heutige Bergdorf Thierbach.

Nachdem die dicke Eisdecke im zeitigen Frühjahr gewichen war und das unheimliche Krachen der Schollen verstummte, hoben sanfte Gesänge von Elfen und Seenixen ein geheimnisvolles Singen ans Ufer, wo zwei Buben von Thierbach ihre Schafe hüteten. Sie wurden von den lieblichen Gesängen berauscht und schlummerten im Mondlicht ein. Gegen Mitternacht wurden sie von den guten Feen entführt und erspähten am Seegrund ein unheimliches Wesen mit Augen wie Wagenräder und feurigem Blick.

Die guten Wassergeister zeigten sich um die Talbewohner besorgt und warnten, sich wohl in Acht zu nehmen.

Noch im selben Herbst gab es Krieg im Land. Die mächtigen Ritter von der Kummersburg holten sich stämmige Wildschönauer Bauernbuben zur Verteidigung des umkämpften Landes.

Am Vorabend zum Kirchweihfest schwoll ein Getöse im See an und es überschlugen sich haushohe Wellen, obwohl es völlig windstill war. Ein Ungeheuer wälzte sich durch Wassermassen taleinwärts, wutschnaubend und zähnefletschend, in wildem Toben mit mächtigen Fangarmen um sich schlagend.

Ein grauenvoller Drache, noch nie zuvor von einem menschlichen Wesen gesichtet, richtete sich am Ufer zum Talschluss auf und bäumte sich drohend mit Drachenflügeln in die Lüfte. Gierig schwamm das Untier dem Ufer entlang und riss Schafe und Ziegen, wirbelte sie durch die Luft und verschlang sie im freien Fall.

Die Menschen im Hochtal flüchteten in den schützenden Bergwald und hatten es mit der Angst zu tun. Die Kunde verbreitete sich weit über das Tal hinaus. Der stärkste Wildschönauer Bauernbursch der damaligen Zeit verließ das Kampfgeschehen im Inntal und eilte seinen Leuten zu Hilfe. Er nahm in Harnisch gekleidet den Kampf mit dem höllischen Wesen auf und es entbrannte ein unheimliches Ringen auf Leben und Tod. Schon von den mächtigen Fangarmen umschlungen stieß der mutige Bursche mit sicherer Hand den Degen gezielt in das Herz des schnaubenden Drachen und verletzte in tödlich.

Das Untier flüchtete zornentbrannt durch das rot schäumende Wasser, durchbiss in seiner Verzweiflung den Felsen westlich vom Kragenjoch, sodass der See abfloss und die reißenden Wogen die Stadt Heidach am anderen Innufer vollends überschwemmte. Der Drache zerbarst dabei in unzählige Stücke und es stank nach Schwefel, Hölle und Teufel.

Seither künden nur noch die wundersamen Anhöhen im Hochtal vom einstigen Seeufer und die Menschen sind gewarnt, sich nicht in Übermut selber zum Maß aller Dinge zu machen.

Viele Jahrhunderte später, als großartiger Wohlstand im Lande herrschte, geriet diese Lehre in Vergessenheit. Sündhaftes Treiben brachte die Pest ins Land und in der Nacht schlich sich Schnitter Tod ins Tal. Er mähte unermüdlich alles nieder und seine knöcherne Frau, die Todin, rechte mit starken Zinken alle auf einen Haufen zusammen.

Da entschwand ein mutiger Bauernbub vom Sonnberg und eilte zur Hollerstiege. Am dortigen Weidegatter traf er auf ein einsames Mädchen aus dem Brixental, fiel ihr um den Hals und sie gründeten die Nachkommenschaft der heutigen Wildschönau. Die Hollerstiegelkapelle und das Halsgatterl daneben künden noch heute von dieser Zeit.